Die aktuelle Situation
Der Erreger der aktuellen EHEC-Erkrankungswelle ist inzwischen bekannt. Doch nach wie vor suchen die Experten nach der Quelle der Infektionen. Bisher hat sich keiner der in die
Öffentlichkeit verbreiteten Verdachtsmomente bestätigt. Derzeit konzentrieren sich die Ermittlungen
auf einen Betrieb, der Bio-Sprossen erzeugt. Doch bislang waren alle Analysen
der dort gezogenen Proben ohne Befund. Auf den zunächst in Verdacht geratenen spanischen
Gurken konnte der für die Erkrankungswelle verantwortliche Erreger nicht gefunden
werden. Im Zusammenhang mit Lebensmitteln konnte der spezifische Erreger einzig in einer
Tonne für Küchenabfälle einer erkrankten Familie nachgewiesen werden. Der Fund lässt
bislang keine weiteren Schlussfolgerungen zu. Tausende Proben von frischem Gemüse und
Salat, die von Gärtnern und Behörden zur Analyse in Auftrag gegeben wurden, blieben ohne
Befund.
Ursache der EHEC Infektionen
So unklar derzeit ist, wo der tatsächliche Ursprung der EHEC-Infektionen liegt und über welche
Wege sie sich verbreitet haben, so klar und sicher kann festgestellt werden, dass vom
Öko-Landbau kein besonderes Risiko für die Kontamination von Lebensmitteln mit EHECErregern
ausgeht. In einem europäischen Forschungsprojekt haben führende Mikrobiologen
und das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau die EHEC-Infektionen weltweit seit der
ersten Entdeckung des Erregers ausgewertet und festgestellt, dass für kein Anbausystem
ein besonderes Risiko nachzuweisen ist. Entscheidend sind Hygienemaßnahmen, die sowohl
von biologischen als auch konventionellen Betrieben gleichermaßen eingehalten werden
müssen und die von den Behörden überwacht werden.
Darüber hinaus haben die Wissenschaftler festgestellt, dass die Ausscheidungen von Rindern
weitaus weniger EHEC und andere säuretolerante Coli-Bakterien enthalten, wenn die
Tiere artgerecht, vor allem mit Heu und Gras, gefüttert werden – so wie es im Öko-Landbau
üblich ist. Zu viel Kraftfutter senkt dagegen den pH-Wert im Verdauungstrakt der Rinder, so
dass das Umfeld für EHEC-Bakterien günstiger wird. Prof. Kaufmann vom Max-Planck-
Institut für Infektionsbiologie weist darauf hin, dass überall dort, wo sehr viele Tiere auf sehr
engem Raum gehalten werden, sich Seuchen entwickeln und rasch ausbreiten können. „Die
industrielle Landwirtschaft ist quasi ein Inkubator für neue Krankheitserreger“, so Prof. Kaufmann.
Andere Wissenschaftler stellen sich die Frage, inwieweit der ungehemmte Einsatz von Antibiotika
in der industriellen Landwirtschaft ein Hinweis auf den Ursprung des multiresistenten
Keims ist. Hingegen vermutet derzeit das Bundesamt für Risikobewertung (BfR), dass der
Keim vom Menschen stammen könnte und nicht von tierischen Fäkalien ausgeht.
Glaubwürdigkeit durch Transparenz und Kreislaufwirtschaft
Der Öko-Landbau steht dafür, hochwertige, sichere und schmackhafte Lebensmittel zu erzeugen
und dabei die Umwelt und die Ressourcen zu schonen. Der Öko-Landbau gründet
auf einer Kreislaufwirtschaft. Der Tierdung dient dazu, die Bodenfruchtbarkeit aufzubauen,
indem er Nährstoffe liefert und den Humus vermehrt. In einem so gepflegten Boden wachsen
gesunde, robuste und aromatische Pflanzen. Zudem speichern humusreiche Böden viel
Wasser und CO2. Zahlreiche Studien zeigen die große Bedeutung, die die organische Düngung
für den Erhalt der Ertragsfähigkeit der Böden und die Qualität der Pflanzen hat. Ohne
eine organische Düngung und mit einer rein auf synthetischen Düngern basierenden Landwirtschaft
wäre der Erhalt der natürlichen Bodenfruchtbarkeit auf unserem Planeten nicht
möglich.
Der Bio-Landbau bietet Transparenz vom Acker bis zum Teller. So konnte beispielsweise der
Weg der zunächst verdächtigten Bio-Gurke vom Hamburger Großmarkt bis zum Acker in
Spanien schnell und schlüssig rückverfolgt werden.
Der Bio-Landbau und die Hersteller und Händler von Bio-Produkten arbeiten systematisch
daran, auch die kommenden Generationen mit gesunden und umweltschonend hergestellten
Lebensmitteln versorgen zu können. Daher sind nachweislich risikoreiche Praktiken, wie der
Einsatz von synthetischen Pestiziden oder der Agro-Gentechnik, verboten. Die Bevorzugung
von Produkten aus der Region und von langjährigen Partnern reduziert das Risiko unbekannter
Einträge zusätzlich und erhöht die Sicherheit.
Natürliche und menschengemachte Risiken sind leider nie vollständig auszuschließen. Die
Bio-Bauern und Unternehmen stellen sich dieser Herausforderung täglich neu und arbeiten
mit Verantwortung und Erfahrung daran, diese Risiken zu minimieren.
Hygiene ist der beste Schutz
Für die Verbraucher bietet eine sorgfältige Hygiene in der Küche den besten Schutz vor Infektionen
durch Keime auf Lebensmitteln. Dazu zählt, neben Händewaschen, das gründliche
Waschen insbesondere von Gemüse und Obst, das roh verzehrt werden soll. Wichtig sind
getrennte Arbeitsbereiche und Geräte für Gemüse und Obst auf der einen Seite und leicht
verderbliche Lebensmittel wie Fleisch und Milchprodukte auf der anderen
(siehe auch die
Empfehlungen des Verbandes für Unabhängige Gesundheitsberatung:
www.ugb.de).
Unser Mitgefühl gilt den betroffenen Menschen
Die Sorge und das Mitgefühl der deutschen Bio-Branche gelten den von dem Krankheitsausbruch
betroffenen Menschen. Spekulationen, vorschnelle Urteile und polemische Debatten
helfen nicht. Wichtiger ist es mit aller Konzentration den Ausgangspunkt des Erregers
herauszufinden.
Stand: 09.06.2011
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