Die EHEC-Krankheitswelle begann nach Informationen des Robert-Koch-Institutes Ende
April/Anfang Mai in Norddeutschland. Die Quelle für die tragisch und sehr aggressiv verlaufenden
EHEC-Infektionen ist bisher nicht bekannt. In diesem Zusammenhang werden auch
Fragen zu Praktiken des ökologischen Landbaus mit dem Schwerpunkt Düngung gestellt.
Nach wie vor ist unklar, ob und wie die EHEC-Belastung auf Keimen und/oder dem entsprechenden
Saatgut entstanden ist. Derzeit liegt sogar die Vermutung nahe, dass Entstehung
und Ausbreitung des Erregers nicht in direktem Zusammenhang zu Landwirtschaft oder Gartenbau
stehen.
Die hier zusammengetragenen Fakten zum Thema Düngung und Öko-Landbau dienen einer
fundierten Hintergrund-Information:
Öko-Landbau vermindert das EHEC-Aufkommen
Es ist wissenschaftlich belegt, dass EHEC kein spezifisches Bio-Landbau-Problem darstellt.
Bei der größten bisher bekannten EHEC-Quelle, dem Mist von Kühen, schneidet
der Öko-Landbau im Vergleich zur konventionellen Tierhaltung sogar deutlich besser ab.
Eine amerikanische Studie belegt, dass die EHEC-Belastung bei Kühen, die mit hohen
Anteilen an energiereichem Kraftfutter gefüttert werden, um das 300-fache größer ist als
bei artgerechter raufutter-betonter Fütterung mit Heu und Gras, wie sie auf Bio-Betrieben
üblich ist. Intensive Tierhaltung führt zudem zu vermehrtem Antibiotikaeinsatz und Resistenzbildung
sowie zu einer insgesamt höheren Keimbelastung. Der ermittelte EHECErregertyp
0104:H4 weist eine achtfache Antibiotikaresistenz auf, was bedeutet, dass er
in seinem Leben mit mindestens diesen acht Antibiotika in Berührung gekommen sein
muss. Im ökologischen Landbau werden Mist und Gülle als natürliche Ressourcen getreu
dem Kreislauf-Prinzip als sorgsam aufbereitete, wertvolle Düngemittel eingesetzt.
Mikroorganismen beleben den Boden
Schon seit 2004 arbeiten Wissenschaftler im Rahmen eines EU-Projektes an potentiellen
Qualitätsbeeinträchtigungen im Gemüsebau und in der Tierhaltung. Auch ein transnationales
Forschungsprojekt hat die Frage der Risiken von Krankheitserregern in Gülle und
Mist bzw. im Bio-Gemüse in den letzten drei Jahren untersucht. Dabei wurden Empfehlungen
ausgearbeitet, die die gute fachliche Praxis der Bio-Gemüseerzeuger stärken. Die
biologische Landwirtschaft baut auf eine seit Jahrhunderten bewährte Düngerpraxis auf,
die neben der Rückführung der Pflanzennährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kalium auch dennachhaltigen Aufbau der Bodenfruchtbarkeit bewirkt. Diese Praxis zeigt sich gerade vor
dem Hintergrund schwindender Phosphorreserven als besonders zukunftsfähig.
Außerdem stabilisieren Mikroorganismen den Boden. Ein Boden, der nicht mit leichtlöslichen
Stickstoff-Düngern und chemisch-synthetischen Pestiziden belastet wird, ist intensiv
belebt – und das ist gut so: In einer Handvoll Boden leben ganz ursprünglich und natürlich
mehr Organismen als Menschen auf der Erde. Die Bakterien und Pilze dominieren massenmäßig,
obwohl nur ein Bruchteil dieser mikrobiellen Vielfalt bisher überhaupt bekannt
ist. Dieser Mikrokosmos stabilisiert die Bodenstruktur, baut Fremdstoffe ab, setzt organisches
Material um, liefert dadurch Pflanzennährstoffe nach und trägt wesentlich zur Bildung
von Humus bei. Noch intensiver belebt sind Stallmist, Kompost und Gülle, da das
reichliche Nährstoffangebot mikrobielles Wachstum stimuliert.
Mit der Ausbringung dieser
Hofdünger werden die darin gebundenen Nährstoffe auf die landwirtschaftlichen Flächen
übertragen und das Wachstum bodenbürtiger Mikroorganismen angeregt. Zahlreiche
Langzeitversuche belegen diese positiven Wirkungen der organischen Düngung – und
zwar in allen Regionen der Welt.
Mögliche Risiken bei der Verwendung organischer Dünger werden durch Wärmeprozesse
wie bei der Mistrotte und Kompostierung minimiert. Bodenbearbeitung und Pflanzenwurzeln
sorgen außerdem für gut durchlüftete landwirtschaftliche Böden, die nachweislich
kein bevorzugtes Milieu für kritische Bakterien darstellen. Eine niederländische Studie gibt
Hinweise darauf, dass E. Coli-Erreger in Böden mit gutem Humusanteil weniger gute Überlebenschancen
haben. Gerade solche Bodeneigenschaften werden durch die regelmäßige
Ausbringung von organischen Düngern wie Stall- bzw. Festmist und Kompost erreicht.
Es gibt keine Alternative zur Kreislaufwirtschaft
Bio-Gärtnerinnen und -Gärtner arbeiten ihre Dünger in den Boden ein und bringen sie
nicht auf die Pflanzen aus. Die so genannte Kopfdüngung auf bestehende Gemüsekulturen
ist unüblich, konventionell wie ökologisch. Festmist und Kompost werden vor der Saat
bzw. Pflanzung ausgebracht und eingearbeitet. Von einer Anwendung nach der Saat oder
Pflanzung wird dringend abgeraten.
Ideal ist die Kompostierung von Mist. Auch die Qualität des Wassers zum Bewässern der
Flächen haben die ökologischen Erzeuger im Blick. Und last but not least haben sie sicherzustellen,
dass keine tierische Fäkalien aus benachbarten Feldern in die Gemüseparzellen
ablaufen können.
Vor allem bei den verbandsgebundenen Öko-Gemüsebetrieben ist eine Gesamtbetriebsumstellung
vorgeschrieben. Es gilt ein Verbot des Einsatzes von konventioneller Gülle,
Jauche, Geflügelmist und Guano.
Hygiene wird auch in der Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln groß geschrieben. Der Öko-Landbau verwendet dafür organische Säuren, kein Chlordioxid. So werden bei der Entkeimung
des Saatgutes sowie im Waschwasser für Lebensmittel (v.a. Gemüse) nur für
Bio zugelassene Desinfektionsmittel und -techniken verwendet, etwa organische Säuren
wie Ascorbinsäure (E 300), Zitronensäure (E330) und Zitronensaftkonzentrat In der Verarbeitung von konventionellen Lebensmitteln wird hauptsächlich Chlordioxid
eingesetzt. Die unterschiedlichen Wirksamkeiten wurden wissenschaftlich untersucht. Dabei
hat sich gezeigt, dass die für die Verarbeitung von biologischen Lebensmitteln zugelassenen
organischen Säuren die Wirksamkeit zeigen, die Lebensmittelsicherheit garantiert.
Ein hygienisch besonders wirksamer, unbedenklicher und viel klimafreundlicherer
Stoff als das Chlordioxid ist Ozon, das auch in der Aufbereitung ökologischer Gemüse
eingesetzt werden kann.
Wissenschaftlicher Kenntnisstand ist, dass keine erhöhte Belastung von Bio-Lebensmitteln
mit humanpathogenen Keimen besteht. Der gesamte Produktionsprozess mit Tierhaltung,
Hofdüngermanagement, Bodenmanagement, Anbau/Kulturführung, Weiterverarbeitung, Verpackung und Vertrieb sorgt für wertvolle Lebensmittel bei gleichzeitiger höchstmöglicher
Schonung der Umwelt. Vor dem Hintergrund schwindender Nährstoffvorräte, wachsender
Weltbevölkerung, Ernährungssicherheit und Klimawandel gibt es keine Alternative zur Rückführung
von pflanzlichen und tierischen Reststoffen auf Flächen, die direkt oder indirekt zur
Lebensmittelerzeugung vorgesehen sind.
Wer mehr wissen will: www.fibl.org
Stand: 15.06.2011
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von den Verbänden der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft erstellt.
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