[Gesundheit
| 04.08.2011]
Auf dem Bio-Gemüsehof von Rolf Hauser geht es lebhaft zu. Dies gilt vor allem in den Sommermonaten, wenn das meiste Gemüse geerntet wird.
Aktuell warten mehrere Kästen Karotten auf ihre Einlagerung in den Gemüselagerraum in Dettighofen. „Hier führen wir eine vorbeugende Flächendesinfektion auf biologischer Basis durch. Da ist keine Chemie, kein Pestizid oder Fungizid drin, sondern wirklich nur Alkohol und ätherische Öle“, erklärt Bio-Landwirt Rolf Hauser. Nach einer Stunde Einwirkzeit auf allen Flächen wird alles mit Wasser abgespült.
Reizthema Ehec
Beim Gang durch die benachbarten Gurken- und Tomatenhäuser wird der Erreger Ehec Thema. Besser gesagt, es wird zum Reizthema. Denn auch der seit 1988 nach Bioland-Richtlinien arbeitende Betrieb musste einen Teil der Ernte wegwerfen. In Verdacht stand Rinderdung. „Ja, aber bei uns ist Pferdemist drin. Rinderdung ist salzig und reichert sich im Gewächshaus im Boden an. Deswegen sind wir auf Pferdemist umgestiegen,“ erläutert Rolf Hauser. Der Mist wird ein halbes Jahr kompostiert, bevor er ausgebracht und im Boden eingespatet wird. Hauser: „Erst dann wird gepflanzt und dann kommt nie mehr was mit Dünger in Berührung.“
Für wahrscheinlicher hält er eine Verschmutzung beim Transport oder Abpacken: „Das Risiko liegt bei den Lebensmitteln generell immer in der Be- und Verarbeitung. Jeder Verarbeitungsschritt hat bei Lebensmitteln ein höheres Risiko als die Urproduktion.“ Hinzu kommt, dass die UV-Strahlung der Sonne auf die Gemüse ausreicht, um mögliche Erreger abzutöten.
Die Verunsicherung der Verbraucher habe dazu geführt, dass auch auf dem Bio-Gemüsehof rund 2000 Gurken nicht verkauft werden konnten. Seine Kunden seien im Mai und Juni auf andere Produkte umgestiegen. Hauser: „Insgesamt haben wir keine Umsatzeinbußen gehabt, aber die Rohproduktion hat darunter gelitten.“ Darüber freuen konnten sich die eigenen Rinder und Schweine. Denn sie werden mit überschüssiger Ware gefüttert. „Das ist der Grund, warum wir sie haben, denn als Direktvermarkter tragen wir auch das Risiko der Überproduktion selber“, bemerkt Rolf Hauser.
Einsatz von Nützlingen
Um Schädlinge in den Griff zu bekommen, werden in den Gewächshäusern Nützlinge wie Schlupfwespen und Raubmilben ausgesetzt. Zudem haben Rolf Hauser und seine Frau Martina einige Feldhecken angelegt und Bienenweiden direkt neben den Salatfeldern gepflanzt. Wo nach der Flurbereinigung ausgeräumte Ackerlandschaften das Landschaftsbild prägten, leben heute wieder viele verschiedene Tiere. Rolf Hauser: „Wir haben bisher 30 Ar Hecke gepflanzt, das sind für uns Nützlingsstreifen mit einer Vielfalt an Vögeln. Wir haben den Feldhasen wieder, die Kleinsäuger, Hummeln, Bienen und Schwebfliegen.“
Lars Freudenthal
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